A l a s k a - I d i t a r o d - R e p o r t a g e n


Informationen zum Last Great Race On Earth :
Bilder, Videos, Audioberichte, Listen der Gewinner/Musher und Links.
Das nächste Iditarod Rennen startet am ersten Samstag im März 2001.
-- Iditarod

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I D I T A R O D   R E P O R T A G E N

1100 Meilen durch die weiße Hölle

Die Luft ist kalt und klar und zittert vom Heulen und Kläffen der Huskies, der Schlittenhunde. Der Frost zwackt wie eine Beisszange in die Wangen. Die Musher - so heissen die Gespannführer - wirken in ihrer dickgefütterten Kleidung wie Riesen aus nordischen Sagen: Eichenausreisser und Schädelzertrümmerer. '...three-two-one-go!' schallt der Lautsprecher über die fiebernde Menge. Dann brausen im Abstand von jeweils zwei Minuten die Teams durchs Startgatter davon - in die Unendlichkeit...

Jährlich im März ist Anchorage der Startplatz fuer etwa 80 Schlittenpiloten, die besten der Welt, und mit ihnen weit ueber 1000 Huskies. Zigtausend Besucher erleben den Countdown am Start des 'Iditarod', des laengsten und haertesten Schlittenhundrennens. ' I-did-a-rod' heisst frei uebersetzt: ' Ich lege eine Strecke zurueck'. Iditarod - das sind mehr als 1100 Meilen durch die weisse Hoelle. Eine Mammutjagd von Anchorage nach Nome - fast an den Polarkreis.

Auf den Kufen stehen legendaere Musher wie Rick Swenson, der 'weisse Indianer'. Mit vier Siegen ist er der erfolgreichste Fahrer. 1978 unterlag er nur um eine Sekunde, in einem grandiosen Kopf-an-Kopf-Finish - nach fast 1900 Kilometern. Auch Frauen sind dabei; wie Susan Butcher, eine von Alaskas eisernen Ladys - sie gewann das Rennen 1986 -, oder Libby Riddles, die Siegerin von 1985.

Alaska im Maerz - das ist ein Monat harter Nordmaenner. man erinnert sich an Alaskas wilde Jahre; an Pioniergeist, Tatendrang, Zaehigkeit, ans Ueberlebenkoennen in menschenfeindlicher Natur. Iditarod hat Geschichte; Als im bitterkalten Winter 1925 Diphtherie-Serum fuer kranke Bewohner nach Nome gebracht werden musste, machten sich einige tollkuehne Schlittenfahrer auf den Trail. In Erinnerung an die mutigen Helfer wird dieser Wettkampf seit 1973 ausgetragen.

Iditarod-Musher sind Volkhelden, die mit ihren Hunden draussen in der Wildnis leben, selbst im Sommer mit einer Art Sulky trainieren. Man braucht einen Leithund, dem man blind vertrauen kann. Vor allem wenn ein Schneesturm den Trail verwischt hat, wenn in der Nacht unsichtbare Eissplaten das Team zu verschlucken drohen. Der Leithund reagiert auf Zuruf. Zuegel oder Peitsche gibt es nicht.

Iditarod ist wie Olympia: Dabeisein ist alles. Dem Ersten winken zwar 50.000 Dollar Siegpraemie, doch die decken kaum die Eigenkosten: Startgeld, Hundeteam, Schlitten, Ausruestung und Verpflegung verschlingen Tausende von Dollars.
'Hike! Hike!' feuern die Musher ihre Gespanne an. 'North-West of the Bering Sea, to Nome!' heisst die Losung.

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Der Trail fuehrt von Anchorage ueber granithart gefrorene Hochmoore hinein in die Alaska-Kette mit ihren vier-, fuenftausend Meter hohen Bergen. Die erste Bewaehrungs- probe ist das 'Tor zur Hoelle', der Rainy Pass. Dort gehen von Zeit zu Zeit verheerende Lawinen ab. Manche stuerzten, andere brachen sich Arme, Beine, oder Rippen. John Cooper ueberraschten 40 Grad Kaelte und ein Blizzard mit 70 Meilen pro Stunde: 'Leute, das war 'ne Schlacht! Trommelfeuer aus Eiskristallen, mitten in die Fresse. Ich nahm volle Deckung, glaubte nicht daran zu ueberleben.'

Hinter dem Tor zur Hoelle ist das Feld weit auseinandergezogen. Wie bei einer Auto-Rallye muessen - im Abstand von 90 Meilen - Checkpoints angelaufen werden. Dort werden Zwischenzeiten genommen und die Hunde untersucht. Lahme und kranke Tiere bleiben zurueck oder werden ausgeflogen. Ersetzt wird kein einziger. Wem weniger als fuenf Hunde bleiben, muss aufgeben. Oft heben die Musher ihre vollbepackten Schlitten ueber Hindernisse, muessen sie auf- und abladen, um weiterzukommen. Meist rennen sie hinterher oder schieben mit. Sie steuern gegen den Sturm und arbeiten sich durch huefthohen Schnee. Geschlafen wird oft erst nach 40 Stunden. Zwischen Iditarod und dem Yukon stehen zuweilen wuetende Elche auf dem Trail. Auf dem zwei Meter dick gefrorenen Yukon, reibt der Wind die Haut wie eine Feile. Weiter westlich oeffnet sich die Landschaft zur Tundra. Weisses, konturenloses Nichts, soweit das Auge reicht. Der Abschnitt an der Bering-See ist brutal. Dort sind Risse im Eis, die Mann, Schlitten und Tiere verschlucken koennen.

Bei Unalakleet, einer Eskimosiedlung am Norton Sound; mobilisieren die Wettkaempfer die letzten Kraefte fuer den Endspurt; Musher und Hunde sind ausgelaugt. Eiserner Wille und die Angst vor den aufrueckenden Rivalen treiben sie voran.

Nome taucht auf - das Ziel. Dort herrscht Volksfeststimmung. Boellerschuesse und Feuerwerk kuenden den Ersten an. Der Sieger torkelt die Front Street entlang, stolpert mechanisch wie ein Roboter ueber die Ziellinie. Die Stadt geraet ausser Rand und Band. Die Menge jubelt und stuerzt sich auf den neuen Nordlandhelden - der wieder eine Frau ist: Susan Butcher. Nicht zu fassen, die eiserne Lady hat es in der Rekordzeit von elf Tagen, 2 Stunden, 5 Minuten und 13 Sekunden. geschafft!

Mit ihrem Sieg hat Susan Butcher ihre Vorjahresbestzeit um 13 Stunden unterboten. Ihr Erzrivale Rick Swenson muss sich als Zweitplazierter mit 30.000 Dollar ueber seinen Rueckstand von viereinhalb Stunden hinwegtroesten. Zum drittenmal hintereinander hat eine Frau ueber die maennliche Konkurrenz triumphiert. Und seither nennt man Alaska ironisch 'ein Land, wo Maenner Maenner sind und Frauen das Iditarod gewinnen'.

Aus Geo-Speziel Alaska [1987]



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