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Tagebuchreportage von Karen Ramstead 2001
-- Iditarod


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I D I T A R O D   R E P O R T A G E N

Karen Ramstead - Mein Iditarod Rennen
Tagebuch des Nord Wapiti Teams 2001


Rainy Pass nach Rohn

Ich liess mir Zeit mit meiner Arbeit. Die Hunde sahen gut aus, gar nicht mitgenommen von unseren kleinen Abenteuern unterwegs, ich nehme an, dass sie sich alle ueber die Ruhepausen gefreut hatten, die sie unverhofft bekamen als ich meinen Schlitten zwischen den Baeumen ausgraben durfte. Sie waren sehr verspielt und frassen ausgezechnet, natuerlich auch die Leckerbissen.

Bob Chlupach bot mir an zu helfen den Schlitten wieder zurechtzubiegen, aber da es ja wieder besser ging, entschloss ich mich es dabei zu belassen, denn ich wollte nichts moeglicherweise verschlimmern, besonders wo es jetzt in die Schlucht und nach Rohn ging.
Ich hielt an meinem Plan fest, den Checkpoint erst bei Tagesanbruch zu verlassen, denn die Landschaft in und um die Dalzell Schlucht ist landschaftlich sehr schoen und ausserdem hatte ich keine Lust dieses furchterregende Stueck Strecke bei Nacht und Nebel zu bewaeltigen. Bei dem Gedanken zitterten mir doch die Knie, Hundeschlittenfahrer auf dem Iditarod Pfad sind eben doch auch nicht ganz ohne Furcht!

Sobald die Hunde versorgt waren, marschierte ich hoch zum Checkpoint. Letztes Jahr schliefen dort die Musher in einem grosssen kalten Zimmer, wo es zwar einen Kamin gab, aber kein Feuer drin. Es war eine nette Ueberraschung herauszufinden, dass die Hundeschlittenfahrer, die Beamten und Voluntaere alle sich gemeinschaftlich ausruhen konnten. Der Erdboden war hart und auch nicht pieksauber dazu noch Trophaen von Elch, Bergschaf und ganz unalaskanisch; Antilope. Also, bewacht von den sichtlosen Augen von Tieren, die bestimmt noch nie Schnee gesahen hatten, schlief ich ein.

Bevor es wieder zum Schlitten und den Hunden ging, kroch ich hinter die Bar und zog mir frische Waesche an, das war ein seliges Gefuehl. Es schneite fest als ich Richtung Hunde loszuckelte, als ein Team wieder zum Checkpoint zurueckkehrte! Das war kein gutes Zeichen. Es war Roy Monk, dem ich auf einen freien Parkplatz half und fragte was denn los war. Die Sicht im Pass war miserabel und er hatte sich total verfranzt und die Richtung verloren, so kurz vorm Eingang zur Dalzell Schlucht. Kann sein, dass jemand die Markierungsstangen umgefahren hatte aber als ihm klar wurde, dass er wieder hinfuhr, wo er hergekommen war, fand er sich damit ab, 40 Meilen Zeit verloren zu haben und kehrte zum Checkpoint zurueck um sich auszuruhen.

Ich war ueberzeugt den Pfad im Tageslicht nicht zu verlieren und fuhr voller Selbstvertrauen los in Richtung Schlucht. Es war bewoelkt und schneite auch im Pass, Licht und Farbe waren erstaunlich und oberhalb der Baumlinie waren die Vistas einfach majestaetisch zu nennen. Nicht oft im Leben erlebt man so etwas, dass einen daran erinnert wie klein und armselig man als einziges Wesen doch gegenueber dieser endlosen Weite doch ist. Das erinnert mich ein bisschen an meine Lieblingsmalerei von Jon van Zyle, das Iditarodposter, das er 1983 gemalt hat und worauf ein Hundeschlittenteam abgebildet ist, dass genau diese Strecke unter einem Vollmond zuruecklegt, er nannte dieses Bild Iditarod: Alein auf dem Gipfel seiner Traeume. Ich wiederholte diesen Titel noch ein paarmal, um mir klar zu machen, dass dies das IDITAROD war.

Die Wolken lichteten sich als wir den Eingang zur Schlucht erreichten und ein Hubschrauber machte ein paar niedrige Wendungen ueber uns, Gott sei Dank war der Hubschrauber ausser Sichtweite, als ich dann die 90 Grad Kurve nicht ganz schaffte, den Schlitten auf die Seite legte und sehr ungrazioes in das Gestein schlidderte. Meine Hunde kennen meine Schwaechen genau und waren auch schon Augenzeugen von vielen Begebenheiten dieser Art, noch braucht man keine Bilder fuer die ganze Welt dazu!

Bevor es mit der Schlucht doch ernst wurde, stiess ich noch auf Dave Tresino, dem die USA Network Fernsehstation gerade eine Schlittenkamera anbaute, ich wartete ein Weilchen und fand dann eine ideale Stelle zum Ueberholen Es sah nicht ganz so schlimm aus wie im Vorjahr, aber verlangte doch seinen Zoll an Erstaunen und Respekt. Der Pfad spuckt die Schlitten auf einen Fluss aus, der nach Rohn fliesst, die Flussbank ist ein Meter hoher Sprung und nach dem Sprung gibt es klares, pfadloses Eis und man ist auf die Hunde angewiesen, wenn sie herumwandern, dann wandert man eben mit ihnen herum, aber Gott sei Dank ist mein Hund Grover ein Profi in Sachen Eis und wir fuhren wie eine 'Eins'. Danach geht der Pfad vom Fluss ab und windet sich durch ein kleines Waeldchen und dann ist man schon auf der Rohnflugstrecke und am Checkpoint angelangt.
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Rohn nach Nikolai

Rohn mag ich gerne. Es ist so malerisch, still und abgeschieden. Traditionsgemaess koennen hier die Hundeschlittenfahrer aufatmen, denn jetzt haben sie wohl das Groebste hinter sich gebracht. Aber ich erinnere mich noch ganz gut daran, dass letztes Jahr die Strecke nach Nikolai fuer mich am Schlimmsten war, obwohl ich nicht mehr genau weiss warum. Ich glaube der Grund ist der Gleiche, wie der wie es Frauen fertig bringen mehr als ein Kind zur Welt zu bringen, unsere Erinnerung schaltet bei einem gewissen Grad von Schmerz ab! Ich verdraengte diesen Gedanken und machte mich daran meine Hunde zuerstund dann mich zu versorgen. Ich wollte ein paar Stunden noch schlafen, aber es klappte nicht. Der Checkpoint Voluntaer erinnerte mich daran, dass er mich nur dann wecken koennte, wenn ich eigentlich schlafen wuerde.

Kurz vor Einbruch der Nacht halfen die Beamten mir noch das Team aus den Baeumen zu holen und es ging los. Ploetzlich war ich auf meiner Seite und surfte nur noch einen Fluss hinab hinter meinem Schlitten. Ich bruellte zwar 'Halt' und 'Halten' aus Leibeskraeften, das half aber nichts, denn das zeigte den Hunden ja nur, dass da was nicht stimmte und ich glaube noch jetzt, dass der liebe Grover sich sehr freute das Team vom Pfad weg und den Fluss runter zu lenken! Es gab weiter keine Gefahr und ich bekam schon fast Lachkraempfe als ich versuchte eine angenehme Stelle zu finden um auf dem Eis dahinzurutschen. Ich bruellte doch noch einigemale 'HALT', aber das schien diese Unholde nur noch mehr anzuspornen. Dann krachte es im Eis! Gottseidank hoerte Grover das auch und jetzt aenderte sich der Fall; Grover brach nach links aus auf das Ufer hoch - weg von der Gefahr. Das Spiel mit Muttern war zu Ende. Wir hielten doch endlich und ich stellte den Schlitten wieder gerade und buerstete mich ab, so gut es ging. Brachte danach die verspielten Hunde wieder auf den markierten Pfad.

Die naechsten Meilen waren nur noch Erde, Eis und Stein mit ein paar Klecksen Schnee als Farbe dazu. Wir hopsten and schlingerten den Pfad entlang. In einer kleinen Schneise, wo der Baumpfad etwas auseinenderging, ueberholten uns Bob Chlupach und Buck Church. Dann kam offfenes Wasser und meine kleineren Hunde, Nik, Striker und die Maedchen sogar musssten schwimmen. Der Pfad wurde etwas konfus und es existierte auch keine Moeglichkeit den Schliten anzuhalten, daher liess ich Grover entscheiden wohin es ging. Wir bogen gerade um einen Klumpen Erlen, immer noch in ein paar Zentimeter tiefem Wasser, und ich hoerte Bob bruellen: Halt!

Mir wurde spaeter klar, dass hier viele Hundeschlitten vor uns schon vom Pfad abwichen und dass mein Leithund Grover eben den Spuren folgte, leider war das ein ganz schlechtes Stueck Trail. Es ging gleich ganz steil rechts hoch und sobald wir aus dem Wasser kamen, befanden wir uns auch schon auf einer Rodelbahn, die schoen glatt war, da das Wasser von den Hunden und Schlitten vor uns, die auch hier aus dem Wasser gekommen waren, wieder gefroren war und alles spiegelglatt machte. Dazu kam noch, dass unser Annaeherungspunkt von der Seite her zwar wieder auf den richtigen Weg fuehrte, nur waren da einige Baumstuempfe im Weg und Bob vor uns war immer noch dabei seine Hunde anzuspornen, als meine schon in sein Team reinbrausten. Gottseidank hatte unser Trainer Jamie Nelson meinen Hunden das Ziehen auf Kommando beigebracht und jetzt zog das ganze Team und mit Bucks Hilfe kamen wir alle hoch und auch wieder auseinander. Auf dem Huegel war es so glatt gewesen, dass man nicht einmal stehen konnte, ohne auszurutschen. Darum ging es von dem Huegel weg auf den Post River Gletscher zu, der aber gar nicht so schlimm war wie im Vorjahr; viel Kies und Geroell, aber kaum Eis.

Mitten in der Nacht kam uns dann ein Licht entgegen, es war Art Church, der umgedreht war um auszuscheiden, er war ziemlich krank. Einige seiner Hunde waren ihm auch durchgegangen, er hatte sie zwar wieder, aber blutete noch stark von einer Verletzung an der Nasenwurzel. Als ich ihm etwas anbot um das Blut zu stillen, schaute er ganz verwirrt, er war sich der Verletzung gar nicht bewusst gewesen. Mein Leithund Grover bewaehrte sich als unbezahlbar in den vielen schneelosen und vereisten Seen die wir ueberquerten und als wir den letzten grossen See voll Eis hinter uns hatten, machten wir mit Bob Chlupach zusammen erst einmal 4 Stunden Pause. Es war schoen einmal mit jemand ueber Sibirische Huskies reden zu koennen, da Bob ja auch solche Hunde hat. Andere Teams fuhren in regelmaessigen Abstaenden vorueber und wir alle hatten ein paar haarstrauebende Erfahrungen hinter uns. Ich schwor mir nach diesem Rennen NIE WIEDER dieses Stueck Pfad zu betreten.

W E I T E R

 © Copyright Karen Ramstead
Uebersetzung: Jlona Richey / Tracks of Alaska



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