Brent Sass gewinnt das GinGin200 2008 (Maennerrennen)

Dezember 30, 2008 by  
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Der Yukon Quest Fuenfte von dieser Saison, Brent Sass hat, bei teilweise bitterkalten Temperatuen und starken Winden, zum ersten Mal das, GinGin200 Maennerrennen gewonnen. Der Musher aus Fairbanks ist um 01:58 (Ortszeit) ueber die Ziellinie in Paxson gefahren. Zweiter wurde Iditarod- und Yukon Quest Veteran Ken Anderson vor Ed Hopkins. Vierter wurde Lance Mackey, danach folgte Braxton Peterson und dann der Deutsche Sebastian Schnuelle. Bei den Frauen wurde Colleen Robertia Zweite und Michelle Phillips Dritte.

Peter Kamper berichtet:

Ich schrieb vom Start des Rennens und der Tatsache, dass mich Soldaten der Alaska Army National Guard ueber 70 km mit Motorschlitten zum Checkpoint McLaren zum filmen fahren wuerden. Es ging alles sehr militaerisch ab. Die Herren zeigten sich auch in edlen gruenbraeunlichen Tarnfarben, die sich hervorragend vom weissen Schnee abhoben. Ich vermute, dass man damit verhindern wollte, dass irgendjemand verloren ging. 7 Soldaten, Lance Mackey’s Frau Tania und ich sollten mit 6 Motorschlitten losfahren. Die Motorschlitten zogen flache Lastschlitten und sahen mir fuer meinen Geschmack etwas klein aus, waren aber fast brandneu. Als wir endlich losfuhren war es schon recht spaet, aber die Fahrt nach McLaren sollte nur 1 1/2 Stunden dauern. Der Kommandant guckte sich um und gab das Signal zur Abfahrt. Mit einem Ruck fuhr die Maschiene an und kam nach 5 Metern wieder zum stehen. Einer seiner Soldaten hatte etwas vergessen. Man darf die Alaska Army National Guard nicht mit der Army an sich vergleichen. Im englischem Volksmund wird die ‘Guard’ von vielen ‘Weekend Warriors’ genannt. Fuenf lange Minuten spaeter kehrte der Herr wieder zurueck, schien aber nichts in der Hand zu haben. “Sag mir bloss nicht, dass er nochmals auf’s Klo musste”, dachte ich mir.

Dann ging es mit einem erneutem Handkommando des ‘Commanders’ wieder los. Die Art wie er seinen ganzen Arm vorwaerst schwang um den Befehl zur Abfahrt der 6 Maschienen zu geben, haette ohne weiteres von Julius Caesar als Angriffsbefehl fuer seine gesamte 9. Legion benutzt werden koennen. Irgendwie tauchte ein komisches Gefuehl in meinem Magen auf. Ich war schon des oefteren mit erfahrenen Motorschlittenfahrern unterwegs gewesen. Keiner dieser Leute hatte sich jemals so verhalten, wie diese Gruppe. Wir fuhren ungefaehr 5 km und hielten ploetzlich an.
Eine der Schneemaschienen der Gruppe war zurueckgeblieben. Wir stiegen alle ab und warteten bis der Fahrer der Maschiene aufgeholt hatte. Ein Packriemen an seinem Schlitten hatte sich geloest. Naja, sowas kann passieren. Man unterhielt sich fuer eine Weile und bevor sich die Soldaten wieder auf ihre Schlitten schwangen (ich als Beifahrer), stiessen sie gegenseitig mit ihren Faeusten an. Ich hielt diese fuer meinen Geschmack etwas zu heldenhaft-feierliche Geste nach nur 5 Kilometern zwar fuer etwas uebertrieben, sagte aber nichts. Als Zivilist sind meine Erfahrungen mit militaerischen Braeuchen eher beschraenkt. Weiter gings….

Army National Guard - Copyright Theresa Daily

Army National Guard - Copyright Theresa Daily

Der breite und harte Trail folgte dem ungefluegtem Denali Highway und wir fuhren mit ca. 50km/h, einer fuer erfahrene Fahrer eher langsame Geschwindigkeit. Der Wind nahm zu als, wir hoeher in die Berge vordrangen und Schneewehen begannen sich ueber die Strasse zu ziehen. Als der Commander, mit dem ich fuhr, sich nach 10 weiteren Kilometern umguckte waren drei der funef anderen Motorschlitten spurlos verschwunden. Wir hielten also wieder an und mussten Minuten warten, bis die Motorschlitten auftauchten. Der Soldat, auf dessen Ruecksitz Tania Mackey fuhr, war vom Trail abgekommen und im Tiefschnee stecken geblieben und es hatte einiges an Kraft bedurft die Maschiene wieder auf den Trail zurueckzubringen. Der Wind hatte weiter zugenommen und es war bitter kalt. Waehrend der Wartezeit hatte ich mich in den Windschatten einer der Motorschlitten gesetzt und genoss den wunderschoenen Ausblick auf die Alaska Range. In der Ferne konnte man im sonst strahlend blauem Himmel die Schneeschleier sehen, die der auf den Kuppen herrschende Sturm von den Gipfeln riss.Die behelmten Soldaten steckten ihre Koepfe zusammen und redeten, aber verstehen konnte ich nichts. Der Wind war zu laut geworden.

Schlussendlich fuhren wir weiter in die Berge und der Wind nahm weiter zu. Kurz vor 13Mile Summit fanden wir ploetzlich einen Musher mit seinem Team. Der Wind hatte die Hunde von der Strasse den Abhang hinunter gedrueckt. Er hatte vergeblich versucht sie aus einem Weidengestruepp den steilen Hang hoch wieder zur Strasse zu fuehren. Der ueber die Strasse fegende Schnee drueckte das Team immer wieder zurueck. Wir stiegen ab und ich stolperte im ersten Augenblick als mich eine Windboehe von hinten anfiel. Die Soldaten liefen 10 Meter den Hang hinunter waehrend ich meine Kamera aus der Tasche zog um zu filmen. Es bedurfte mehrere Minuten um das Geschirr des Teams zu entwickeln und die Hunde samt Schlitten zurueck auf die Strasse zu bringen. Der Musher sah uebler als seine Hunde aus. Kleine weisse Flecken zeigten sich auf seinen Backen, die sich spaeter zu Frostbeulen entwickeln wuerden. Sobald die Hunde auf der Strasse losgelassen wurden, drueckte der Wind sie wieder in Richtung Hang. Der Musher wollte aufgeben, bezweifelte allerdings, dass er es den Berg hinunter schaffen wuerde.

Ich hatte meine Faeustlinge zum Filmen gegen Fingerhandschuhen eingetauscht und innerhalb kuerzester wurden diese taub, waehrend die Ladung der 6-stuendigen Kamerabatterie unter der Auskuehlung innerhalb von ein paar Minuten auf eine Stunde gesunken war.

Der Commander unserer Gruppe entschied sich, das Hundeteam alleine zurueck nach Paxon zu schleppen/begleiten. Die Soldaten steckten ihre Schutzhelme fuer eine Weile zusammen, waehrend ich mir wieder meine dicken Faeustlinge anzog. Die Finger fingen an zu schmerzen. Ich kannte das Gefuehl, ich war knapp einer Erfrierung entkommen. Kommunikation mit den Soldaten war im lauten Wind kaum moeglich und es dauerte einige gebruellte Fragen bis ich herausfand, dass wir mit fuenf Maschienen, vier Lastschlitten und acht Personen unter einem neuem Commander weiterfahren wuerden. Wer dies war konnte ich unter den Helmen nicht erkennen. Die Herren sahen fuer mich mit ihren Kopfbedeckungen alle gleich aus.
Der Wind machte auch den Soldaten zu schaffen. Wir hatten bisher ca. 25 der 70 km in knapp 1 1/2 Stunden zurueckgelegt. Die grossartigen Gehabe und militaerischen Gesten waren im Flachland zurueckgeblieben.

Inzwischen war der Seitenwind so stark geworden, dass der eiskalte Wind durch jede Ritze meiner Gesichtsmaske drueckte. Schon Minuten spaeter hielten wir wieder an. Zwei Maschienen waren hinter uns verschwunden. Wir drehten um und fanden sie. Einer der Motorschlitten war ausgegangen. Als wir abstiegen war Kommunikation nur auf kuerzeste Entfernung moeglich. Der Wind war zu laut. Selbst in meiner Montur, ueber die ich einen riesigen Daunenparka gezogen hatte, spuerte ich wie die Boehen Kaelte durch meine Winterkleidung drueckte. Rasende Schleier aus Eiskristallen zogen ueber den Schnee. Am Horizont zeigte sich die Sonne in ihren schoensten Farben als sie begann unterzugehen.

Waehrend ich argwoehnisch zuguckte wie die Soldaten versuchten den Motorschlitten wieder zu starten, stieg meine Hochachtung vor den Mushern, die es mit ihren Hunden ueber den Berg geschafft hatten. Ich zog nochmals meine Fingerhandschuhe an und nahm meinen kleinen Photoapparat aus der Seitentasche. Nach drei Photos versagte er. Die Soldaten guckten sich den schnell auskuehlenden Motor der Maschiene an und ruettelten an verschiedenen Teilen. Selbst aus der Entfernung war es leicht ersichtlich, dass sich unter den Herren kein Mechaniker befand. Als Zivilist wurde ich zur Begutachtung der Angelegenheit nicht eingeladen.

Schlussendlich entschied der Commander, wie mir durch das Getoese des Windes klargemacht wurde, mit vier Maschienen und vier Lastschlitten weiterzufahren. Jede der Maschienen trug nun 2 Personen. Meiner Schaetzung nach hatten wir weniger als die Haelfte der Strecke nach McLaren zurueckgelegt.

[ Bilder von Theresa Daily ]

GinGin 200 Videos von Peter Kamper:

[Brent Sass #1 Maenner]

[Jodi Bailey #1 Frauen]

[Colleen Robertia #2 Frauen]

Bailey und King beim GinGin in Fuehrung

Dezember 28, 2008 by  
Filed under Allgemein, GinGin200

Die Soliste 100 Gewinnerin von diesem Jahr, Jodi Bailey liegt im Moment bei dem Frauen GinGin 200 Rennen, vor Michelle Philips in Fuehrung. Sue Allen, Christina Roalofs und Iris Sutton mussten vorzeitg das Rennen beenden. Auch bei den Maennern sind Colin Morrison, Bill McKee und Mike Ellis schon ausgeschieden. Jeff King ist bei den Maennern weiterhin in erster Position

Peter Kamper berichtet weiter:

Die ‘Army National Guard’ wird mich als Beifahrer mit Motorschlitten nach dem letztem startendem Musher auf dem Ruecksitz einer der Motorschlitten nach McLaren bringen. Das Rennen wird in 90 Minuten beginnen. Ich gucke aus dem Fenster und draussen sind die Musher mit ihren Vorbereitungen beschaeftigt. Ueber Nacht sind die Temperaturen nicht gesunken. Es herrscht Windstille und die Sonne wird in ein paar Minuten aufgehen.

Ich schliesse den letzten Reissverschluss an meinem reisefertigem Rucksack, greife meine Kamera und gehe in das Restaurant der Lodge. Dort greife ich mir einen Kaffee und gucke auf meinen Computer, der ueber Nacht einen Videoschnitt der Rennvorbereitungen auf You-Tube laden sollte, den ich in der vorherigen Nacht zusammengeschnitten hatte. Ich liess den Computer, meinen Canon Photoapparat und meine Video Kamera in der Kneipe zurueck, da man mir meinen eigenen Tisch in einer einsamen Ecke gegeben hatte. Es gab keinen Grund die gesamte Ausruestung einzupacken. Hier kann man Leuten selbst um 4:20 Uhr morgens noch leicht vertrauen… Der Upload funktionierte. Als ich mir die muehsam zusammengeschnittenen Teile der Rennvorbereitung allerdings angucken wollte, erschien das auf einem der von mir verhassten PC’s zusammengeschnittenen ‘Movie’ als ‘unlesbar’. Mit einem Mac waere das nicht passiert….. Ich drueckte einen Knopf, um das Movie nochmals hochzuladen, hatte allerdings wenig Zeit um einen uneinsichtigen Computer zu bekaempfen. In 45 Minuten beginnt das Rennen.

Kamera in der einen und Kaffee in der anderen Hand, begebe ich mich nach draussen. Lance kommt mir entgegen. “Mist”, meinte ich. “Ich bin wohl ein bischen spaet aufgewacht.” Lance grinste mich an: “Echt Komisch… Ich fuehle mich als waere ich zu frueh aufgewacht.” Lance wird erst in zwei Stunden an der Startlinie antreten. Ich gehe durch die Reihen der Musher und geniesse den Morgen. Der Himmel hat sich bis auf ein paar Wolken geklaert und immer noch weht kein Wind. Entgegen der um -35 C Wettervorhersage liegt die Temperatur immer noch um -20C. Perfektes Rennwetter. Jeder weiss, dass der Sturm auf den Huegeln des Trails nicht nachgelassen hat. Die Spannung steigt.

Inzwischen taucht auch der mehrmalige Iditarod-Gewinner Jeff King auf. Seine Helfer fuhren Jeff’s Team von Cantwell am Parks 400 km schon am Vortag zum Start des Rennens. Er selbst tauchte erst gegen 10 Uhr morgens am Renntag auf und waehlte eine Abkuerzung. Aus persoenlichen Gruenden wollte er die letzte Nacht vor dem Rennen in Cantwell verbringen. Er schwang sich um 6 Uhr morgens auf seinen Motorschlitten und fuhr, Informationen nach, die 180 km des ungepfluegten Denali Highways in 3 1/2 Stunden. Als sein Hundeteam an der Startlinie stand und klaeffend Pfoten in den Schnee stemmten, bedurfte es zwei Schneeanker um den Schlitten zu halten. Er grinste: “Na, zumindest habe ich es bis zum Start geschafft.”
Ohne weitere Aeusserungen trat der offizielle Zeitrichter vor: “10 Sekunden….,4.. 3…2…1…. go !”

Paxon Lodge

Paxon Lodge - Copyright Theresa Daily

Obwohl sich die Rennleitung am Morgen des Rennens grosse Sorgen machte, lief der Start des GinGin 200 mit seinem Feld von ueber 450 Hunden fast reibungslos ab. Ich soll nach dem letztem Musher mit der ‘Alaska National Guard’ auf Motorschlitten nach McLaren fahren, greife meinen Rucksack und stelle mich bereit. Meine Fragen, so wird mir gesagt, sollten nur an den ‘Commander’ gerichtet werden. Dies erscheint mir eine vernuenftige Idee, allerdings ist dieser nicht zu finden. Innerlich bereite ich mich darauf vor als einfacher Buerger einfach dumm aus der Waesche zu gucken und zu warten. Mit der sinkenden Sonne werden allerdings alle meine Hoffnungen Teams auf dem Trail zu filmen zu Nichte. Anstatt dessen kann ich 6 Motorschlitten unter der tief stehenden Sonne verewigen.
Warten, warten, warten…..
Schlussendlich fahren wir vom windstillen Paxton los. Nachdem 2 der 6 Army-Motorschlitten auf den ersten 30 km bei -30 C und 70 km/h Winden versagten, entschied sich der ‘Commander’ umzukehren.
Diese 4-stuendige Reise war… um es gelinde zu sagen… hoch interessant.

Eines sollte noch erwaehnt werden:
Lance Mackey sagte mir wie erwaehnt am Vorabend des Rennens, dass er seinen Schlitten lange vor dem Rennen packt. Trotzdem fand ich ihn 20 Minuten vor seinem Rennstart mit um ihn herum verstreuten Ausruestungsgegenstaenden bis an die Schultern in den Tiefen seines Schlittens vergraben. Ich verkniff mir einen Kommentar, musste allerdings laecheln. Kein Mensch ist perfekt….., und dies gilt selbst fuer die besten Musher.

Ich werde diese Geschichte spaeter weiterfuehren, brauche aber wieder einmal Schlaf, da ich in wenigen Stunden mit der ‘Alaska National Guard’ nach McLaren fahren soll. Ob dies klappt ist wie immer fraglich. Wenn zwei von sechs Militaer-Motorschlitten schon nach 30 km versagen, sollte ich mich wahrscheinlich zummindest warm anziehen.

Ausser zwei Teams haben zu dieser Zeit alle Hunde McLaren River erreicht. Waehrend ich schreibe, besagt die letzte Kommunikation vom McLaren Checkpoint, dass dort Temperaturen auf -43 C gesunken sind. Da die Flussbetten des McLaren und Susitna normaler Weise Kaelte anziehen, vermutet man, dass die Temperaturen dort auf dem Trail um -50 C liegen werden.

[ Bilder von Theresa Daily ]

GinGin200 Videos von Peter Kamper: