2012 Yukon Quest Trail Blog 8

Januar 20, 2012 by  
Filed under Mile 101 Blog, yukonquest

Von Mike habe ich noch nichts gehoehrt, aber als wir zum letzem Mal telefonierten meinte er als erstes: “Jetzt habe ich Motoroel am Ohr.” – “Was ?”, fragte ich erstaunt. Immerhin war es das erste Mal, dass mich jemand mit diesen Worten am Telefon begruesste. Ich hoerte ein paar fluchende Worte im Hoehrer bevor er weiter sprach: “Ich hatte grade einen Plastikbecher mit altem Motoroel in der Hand den ich ueber’s Holz in meinem Holzofen kippen wollte und jetzt ist beim Buecken mein verdammtes Handy aus der Brusttasche genau in den *%$#@ Becher gefallen.” – “Es funktioniert noch ?”, fragte ich waehrend ich leicht verwiirt versuchte den Vorfall nachzuvollziehen. Seine Antwort war eher bissig: “Anscheined ! Wie koenntest du sonst mit mir reden ?” – “Ah…”… ich suchte nach einer intelligenten Antwort , gab aber wohlweisslich nach mehreren Sekunden auf. “Lass mich das Ding mal abwischen”, meinte Mike schliesslich. Kurze Zeit spaeter war er wieder am Telefon: “Na, vielleicht ist das &^%#@ Ding jetzt ja wenigstens wasserdicht…”, grummelte er. “Ok, wie siehts bei dir aus, Peter ?” Immer wieder bewundere ich Mike’s ruhige und positive Einstellung zum Leben. Er ist ein grosser Teil dessen was Mile 101 zu dem macht was es ist.

Auf Grund der Temperaturen um -40 mit Windboeen von bis zu 50 km/h ist Mike noch nicht nach Mile 101 gefahren. Allerdings erhielten wir Infos von Motorschlittenfahrern die im Augenblick den Trail des Rennens zwischen Chena Hot Springs und Circle legen:
Alle vier leer stehenden Huetten des Mile 101 Checkpoints Checkpoints sollen sauber und in guter Verfassung sein obwohl wie vermutet kaum noch Holz vorhanden ist um die Huetten zu heizen und die Trailbreaker ihr eigenes Holz brachten. “Trotz grosser Schneefaelle sind die Gipfel von Rosebud und Eagle Summit auf Grund der heftigen Stuerme fast kahl gefegt”, meinte einer der Motorschlittenfahrer. “Wir versuchen den Schnee der dort oben noch liegt mit unseren Maschienen zu komprimieren damit er bleibt, aber das ist alles was wir im Augenblick tuen koennen.”

Nun, … an solchen Dingen laesst sich wenig aendern. Aus unerforschten Gruenden bot der bisherige Winter zwar gute Schneefaelle aber auch extrem tiefe Rekord-Temperaturen sowie ungewoehnlich starke Stuerme. Waehrend ich dies schreibe sind es immer noch -30 C in Fairbanks. Die Crew des Checkpoints hat sich zusammengefunden und wir hoffen natuerlich auf besseres Wetter fuer das Rennen, bereiten uns aber wie immer auf das Schlimmste vor. Ein interessanter Punkt fuer uns werden dieses Jahr die neuen Regeln des YQ sein. Musher muessen entweder in Mile 101 oder Central – je nach Wunsch- fuer 4 Stunden rasten. Diese Rast (layover) muss beim Eintreffen im Checkpoint angemeldet werden. Falls dies beim Eintreffen nicht angemeldet wird und der Musher 4 Stunden bleibt, gilt dies nicht als offizielle Rast. Allerdings kann der Musher die offizielle Rast anmelden und spaeter absagen (frueher los fahren) um sie dann in Central erneut anzutreten. Waehrend der 4-stuendigen Rast soll auch der Zeitunterschied der Startdifferenz bereinigt werden. Wir werden unsere Haende also voll mit Regeln und Mathematik haben. Gluecklicher Weise sind dafuer unsere Computergurus Kevin und Sterling zustaendig, die dieses kleine Problem zwischen Funkgeraeten und Computern vergraben sicherlich ohne Probleme loesen koennen….. Wir muessen nur herausfinden wie wir am Besten bis zu 30 Teams mit 400 Hunden im Schnee parken und genuegend Wasser fuer diese schmelzen… und hoffentlich jeden Musher mit Speise und Trank versorgt bekommen …

Peter

Yukon Quest Trail Blog 3

Februar 13, 2008 by  
Filed under dogmushing, yukonquest

Hallo,
sitze grade in Eagle in dem kleinem Blockhaus, das als Buecherei dient nachdem ich von Circle den Yukon entlang eingeflogen bin.
Ein traumhafter Flug, aber das Eis auf dem Yukon ist nicht grade in bestem Zustand.
Ich habe grade mit den Trailbreakern gesprochen, die den Trail vor den Mushern zum letzten Mal abfahren.
Sie schliefen in einer kleinen Huette am Yukon als Mackey sie ueberhohlte.
Mackey scheint sich danach ein bischen verirrt zu haben und rastete an einer Flussinsel als wir ueber ihn drueber flogen.
Einige Musher waren natuerlich auf dem Trail, aber ich habe festgestellt, dass es wahnsinnig schwierig ist durch verkratzte Plexiglasfenster bei 120 km/h aus der Luft einen guten Schuss (ich meine Video) abzugeben, werde aber trotzdem in ein paar Stunden ein Video vom Flug hochladen. Die Landschaft ist wirklich sehenswert.
Mackey wird hier nicht vor 22-23 Uhr mit seinen 13 Hunden auftauchen. Brent Sass und Dan Caduce, die ja am Anfang eine ganz schoene Geschwindigkeit zurueckgelegt haben, haben nun nur noch 10 Hunde.
Dan Caduce musste sogar zurueck nach Slaven’s Cabin fahren um einen Hund abzugeben, der erst nach seiner dortigen Abfahrt krank wurde.
Michelle Phillips (es ist lohnenswert sich das Video ihres Unfalls in 101 anzugucken) erscheint nun eine immer bessere Wahl fuer die ersten drei.
Wir werden aber erst mehr wissen, wenn die Musher hier ankommen, denn auch das Flusseis, an dem sich einer der Trailbreaker seinen Motorschlitten beschaedigt hat kann seinen Zoll nehmen,…. speziell in der Nacht die jetzt grade hereinbricht.
Eine gute Nachricht: Draussen sind es schaetzungsweise nur -15 windlose Grad. Die Kaeltewelle ist vorbei.
Ich werde mich spaeter wiedermelden.
Peter
PS: Diese Buecherei hat draussen ein Plumpsklo (Outhouse). Echt romantisch…..

Peter

Yukon Quest Trail Blog 2

Februar 12, 2008 by  
Filed under dogmushing, yukonquest

Jetzt, da ich mal wieder fuer einen Abend Internetverbindung habe bemerke ich zum ersten Mal, dass die Zeiten der Musher anscheinend tragischer Weise den Tatsachen weit hinterher hinken. Saemtliche Musher sind schon seit ueber drei Stunden in Circle eingetroffen, aber die Webseite zeigt immer noch, dass sich zumindest drei Musher noch auf dem Trail zwischen Central und Circle befinden. Das ist ziemlich schade, aber etwas an dem ich nichts aendern kann.
Lance Mackey ist immer noch der einzige und erste Musher in Slaven’s Cabin, aber auch das ist ein Witz.
Als ich in Circle ankam und herausfand, dass Mackey und Ken Anderson gemeinsam in Circle losgefahren sind musste ich lachen.
Ich hatte von Anfang an den Verdacht, dass sie irgendwann zwischendurch auf dem Trail ein Team bilden werden. Anderson muss schon lange in Slaven’s angekommen sein.
Vom langem Trail zwischen Slaven’s und Eagle werden wir wenig hoehren. Viele Dinge werden auf dem Eis des Yukon River passieren.
Ich werde morgen nach Eagle fliegen und hoffentlich von dort berichten.
Allerdings habe ich heute abend ein Interview mit Sebastian Schnuelle gemacht in dem er wahrscheinlich weit mehr ueber das bisherige Rennen sagt als ich hier schreiben kann. Ich habe das Interview an admin geschickt, der es wahrscheinlich auf der offiziellen deutschen Yukon Quest Webseite in Kuerze veroeffentlichen wird.
Fliege in 15 Stunden mit einer einmotorigen Maschiene nach Eagle. Werde hoffentlich spaeter von dort etwas sagen koennen…. falls es dort Internet gibt.

Bis dann,
Peter

Yukon Quest Trail Blog 1

Februar 12, 2008 by  
Filed under dogmushing, yukonquest

In der kleinen Turnhalle der Schule des Ortes Circle herrscht Stille und nur zwei Neonleuchten beleuchten den Raum in dem viele Leute ihre Schlafsaecke ausgelegt haben. Man zahlt 25 $ fuer eine Uebernachtung und eine Dusche. Das Geld wird benutzt um den Kindern Schultouren zu ermoeglichen. Internet gibt es hier kostenlos und es gibt mehrere Tische an denen man arbeiten kann.
Die kleine Kueche in der man Essen kaufen kann ist seit 2 Stunden geschlossen. Ann Ledwige (Musher) kam grade herein und wunderte sich wo man etwas zu essen bekommen kann. Essen gibt es hier allerdings um 22 Uhr nicht. Sie ist etwas aergerlich, versucht es sich aber nicht anmerken zu lassen und muss nun eine der gefrohrenen Mahlzeiten in ihrem Schlitten auftauen.
Im Dogdrop Mile 101 finden wir es als voellig selbstverstaendlich, dass wir Essen bieten. Wir tuen es kostenlos. In einem Checkpoint sollte Essen eigendlich fuer 24 Stunden am Tag erhaeltlich sein, selbst wenn man Geld dafuer verlangt. Seltsam…..

Ich sitze hier, brauche nach den zwei langen Naechten in Mile 101 sicherlich eine Dusche, bin aber nicht der Einzige, der wie ein Raubkater stinkt. Ich werde noch warten bis fast jeder schlaeft und dann viel Wasser verschwenden.
Die Frage ist, wann und welche Teile meiner Kleidung ich wechseln soll. Eine Waschmaschiene ist moeglicher Weise in Dawson City in Aussicht und ich lebe aus meinem Rucksack mit drei Salamis, etwas Gauda-Kaese (oder was die Amerikaner unter Gauda verstehen) drei inzwischen angetrockneten Baquettes und zwar warmen, aber wenigen Kleidungsstuecken.
Es ist ein langer Trail und trotzdem muss alles in einen Rucksack passen.
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Ich werde hier versuchen ein bischen vom Trail zu berichten und ein paar Gedanken zu teilen waehrend ich Videos schiesse und den Mushern bis Whitehorse folge.

Falls ich irgendwelche interessante Neuigkeiten habe, werde ich diese versuchen weiter zu geben, an sonsten sind auch Fragen willkommen.
Da ich allerdings Videos fuer die Yukon Quest Webseite schiessen soll, wird dies natuerlich meine Prioritaet sein.
Viel Spass,
Peter

Mile 101 Blog X

Februar 12, 2008 by  
Filed under dogmushing, Mile 101 Blog, yukonquest

Hallo,
tja…., erstens kommt es anders… und zweitens ‘als man denkt.’
Wir hatten durch irgendein questpolitisches Missverstaendnis keinerlei Internet in Mile 101. Ich will nicht lange drueber reden, aber irgendwo gab es bei den Kostenverhandlungen am letzten Tag Missverstaendnisse und ich bin natuerlich etwas sauer.
Bevor ich hier aber anfange mit dem Finger auf Leute zu zeigen entschuldige ich mich besser einfach. Ziemlich traurig, dass das Blog einen Tag vor dem Rennen endete.

Es ist dort oben viel passiert und wie jedes Jahr hat Eagle Summit seinen Preis gefordert.
Wir hatten einen gemuetlichen letzten Abend mit Mushern wie Frank Turner, Paul Geoffrion und Bruce Milne, aber in gewisser Hinsicht herrschte eine etwas traurige Stimmung.
Frank Turner sagte, dass dies nun entgueltig das Ende seiner Yukon Quest Karriere sein wird.
Paul Geoffrion wird seine Hunde und seine Farm verkaufen. Er ist ein Zahnarzt, der ein Segelboot in Kalifornien besitzt. Nachdem er alle seine Hunde und sein Haus verkauft hat, will er sich ein Harley Motorrad kaufen und damit nach Kalifornien fahren. Er hat die Nase voll.
Bruce Milne wird genau wie Frank Turner seine Hunde behalten.Er ist das Rennen 5 Mal gefahren und hat es viermal beendet. Zurueckkommen wird er auch nicht mehr. Zu teuer…..

Die Aufgabe der Musher war fuer mich erstaunlich. Des war meiner Ansicht nach nicht der Berg selbst. Immerhin ist dieser von der 101 Seite nicht sehr steil, sondern eher mit King Solomons Dome kurz nach Dawson zu vergleichen. Es war der Wind, der den Hunden am Hang direkt ins Gesicht bliess. Selbst diese Erklaerung erscheint mir fuer ein Yukon Quest Team nicht glaubwuerdig genug. War es vielleicht der Neumond ?
Frank Turner gab auf ohne aus Mile 101 herauszufahren.
Er beendete das Rennen in 101 mit einem sehr jungem Team, nicht seine Hunde.
Dies war auch das Erstaunliche bei den meisten anderen Mushern die den Berg angingen und von Eagle Summit zurueckkamen. Paul Geoffrions Hunde klaefften, jaulten und sprangen in ihrem Geschirr herum als er spaet abends zurueck nach 101 kam. Bruce Milne’s Hunde gingen erst Mal nicht schlafen als er sie nach seiner Rueckkehr ins Stroh bettete.
Die zurueckkehrenden Teams verweigerten am Berg einfach ihren Dienst und was immer es war, …. es war den Mushern die ihre Hunde kannten genauso schleierhaft wie mir. 14 gute Hunde sollten mit dem sanftem Anstieg auf den Gipfel keinerlei Probleme haben.

Als wir Mile 101 nach einer langen Nacht mit einem grossem Heilbut-Essen aufraeumten, hatten 6 Musher, ein Viertel der 24 Teams, das Rennen aufgegeben.
Ich habe weit schlimmeres Wetter an diesem Dogdrop gesehen. Abgesehen davon darf man nicht vergessen, dass all diese Teams erst 160 recht einfache Kilometer des 1600 km Trails hinter sich hatten, da die Hunde vom Checkpoint Chena HotSprings zu uns gefahren worden sind anstatt zu laufen.
Waren es die kalten Temperaturen ?
Der Gegenwind ?
Generellle Befehlsverweigerung (und dies war es was die meisten Teams auf dem Weg zum Eagle Summit betrieben) hat immer einen Grund.
Ich weiss es wirklich nicht.
Sebastian Schnuelle folgt dieses Jahr dem Rennen als Berater fuer eine Film-Crew und wir haben hier in Circle fuer ein paar Minuten zusammen gesessen. Er meinte:”
Es liegt alles im Kopf. Wenn die Musher keine richtige Laune haben, spueren dies die Hunde und verlieren auch die Lust.”
Ich bin sicher, dass dies ein Teil ist. Die Temperaturen haben bei den Mushern und Hunden ebenfalls eine grosse Rolle gespielt.
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Wir hatten Mile 101 gegen 3 Uhr Sonntags komplett aufgeraeumtm wonach ich gleich nach Circle fuhr.
Ich werde spaetestens morgen noch ein paar gute Videos von 101 ins Internet stellen, bin aber todmuede und werde entlang des Trails sicherlich keine Zeit mehr finden die Geschichten von dort nachzuschreiben.
Vielleicht werden einige der Videos zumindest eine Idee dessen geben, was dort passiert ist.
Vielen Dank an meinen alten Freund Rainer Fischer, der aus Deutschland kam um Mal wieder Hauptkoch fuer Teams und Musher, Rennrichter und uns Freiwillige fuer die hektischsten 24 Stunden des Rennens in Mile 101 zu sein. Die Crew hat sich ebenfalls wirklich toll bewaehrt. Dafuer, dass wir alle eigendlich nie ein Rennen gestartet haben ging alles wirklich hervorragend gut und wir bekamen sogar ein grosses Lob vom Rennmarshall, der mit soetwas eher sparsam ist.