2010 Yukon Quest Trail Blog 7

Januar 21, 2010 by  
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Eric und ich waren dieses Wochenende in Mile 101 und haben lange rumgestanden um 27 Rastplaetze zu finden. Etwas Gebuesch muss weg, damit wir alle Musher unterbringen koennen, aber ansonsten ist alles ok. Auch hat sich die Auslandsreise von Eric verschoben. Er wird also waehrend des Rennens in Mile 101 bereitstehen. (Tiefer Seufzer der Erleichterung !!!)

Da wohl jeder gerne Photos mag, hier ein paar Photos von Eagle Summit und Mile 101, die Eric geschossen hat (all rights reserved, copyright ! …. und so).
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Zuerst Mile 101:
Wir mussten den Platz fuer Musher vergroessern und haben ein paar kleinen Weiden das Garaus machen muessen. Eric hat danach das gesammte Gelaende mit seinem Motorschlitten platt gefahren, damit der Wind den Schnee nicht wegweht. Der Untergrund ist sehr steinig. Dieser Blick geht vom oberen Teil des Rastplatzes zur Kuechenhuette, der einzigen Huette die Besuchern zeitweise zugaenglich ist. Die Linie der Strohballen markiert die Abgrenzung zwischen Rastplaetzen und der Gegend in der sich Besucher aufhalten duerfen. Der Strassendienst hat uns jetzt schon zugesagt, dass er Mile 101 soweit mit Schneepfluegen bearbeiten wird wie wir es wollen. Dies ist der Grund wieso wir diese Barriere jetzt schon aufgebaut haben. Pfluegt uns bloss nicht die Rastplaetze fuer die Hunde….

Mile101

Das zweite Photo zeigt den Blick von der ‘Besucherseite”.
Rechts im Hintergrund ist ein Teil des Aufstiegs nach Eagle Summit zu sehen. Das dunkle lange Geraet zwischen den Strohballen ist Eric’s Schlitten, den er hinter seinen Motorschlitten spannt:

Mile101

Photos wie die folgenden machen es vielleicht leichter zu verstehen, wieso Musher auf Eagle Summit in einem Schneesturm vom Trail abkommen.
In diesem Photo liegt das Tal in Richtung Central unter einer Tiefnebeldecke.
Der Trail fuehrt in die nicht sichtbare Ebene und nur die umliegenden Berge sind zu sehen. 5 Teams verloren hier in 2006 ueber Nacht bei Schneetreiben und Winden von ueber 100 km/h den Trail. Sie hatten zwar in Mile 101 die Wetterwarnung gelesen, sich allerdings trotzdem auf den Weg gemacht und wurden spaeter von der US Airforce mit Blackhawk Helikoptern gerettet als sie vom Trail abkamen und schlussendlich in kleinen Hochtaelern im Tiefschnee stecken blieben.
Einer der Musher meinte: “…. und dann habe ich den Schlitten in den Wind gekippt und mich mit meinen Hunden dahinter vergraben. Wir hatten keine Ahnung mehr wo wir waren und haben einfach einen grossen Haufen aus Musher und Hunden gemacht. Ich hab sie alle von der Leine genommen und wir haben uns einfach zusammengeballt. Jeder von uns wusste worum es ging.”

Ein anderer der in 2006 geretteten Musher meinte: “Ich habe eine wirklich gute Stirnlampe, aber in dem Sturm konnte ich noch nicht mal mehr meine Leithunde sehen, geschweige denn den Trail. Als ich meinen Schlafsack aus dem Schlitten nahm hat ihn der Wind mir aus der Hand gerissen. Der Schlafsack verschwand in sekundenschnelle in der Dunkelheit. Ich konnte he nur knien. Aufrecht stehen war unmoeglich.”
Einige der geretteten Musher behaupteten spaeter, dass sie spaeter ohne Rettung zum Trail zurueckgefunden haetten falls kein Helikopter gekommen waere. Manchen haette ich dies zugetraut. Allerdings laesst sich bei 100 km/h Winden auch kein Kocher anzuenden um Schnee zu schmelzen. Wasser ist in solchen Situationen sehr wichtig.
Waehrend der Rettungsaktion in 2006 wurde laut Aussage der US Airforce von der Helikopter-Crew die staerkste Sturmboehe mit mindestens 92 m/hp (knapp 145 km/h) gemessen.
Zu dieser Zeit lagen saemtliche in den Schnee gesteckten Trailmarkierungen entlang des Passes allerdings schon flach. In diesem Photo sieht der Pass allerdings recht harmlos aus:

Eagle Summit

Spaet nachmittags mit der langsam untergehenden Sonne stand Eric auf dem hoechsten Punkt des Passes und photographiert nach Osten in Richtung Checkpoint Central. Das Tal liegt im Nebel. Die schwarzen kreisfoermigen Objekte sind Autoreifen. Es gibt hier oben nichts wo Musher ihre Hundeteams sicher anbinden koennen und der sturmverblasene Schnee auf dem felsigem Untergrund ist selten tiefer als 5 cm. Die Autoreifen sind im Boden verankert und sollen Mushern dazu dienen ihre Hunde mit einem Schneehaken zu sichern falls diese rasten oder nochmals absteigen wollen um einem anderem Musher zu helfen.
In 2009 war es Brent Sass, der nochmals zu Fuss abstieg um William Kleedehn zu helfen sein rebellierendes Team ueber den oestlichen Steilhang zum hoechsten Punkt des Berges zu bringen.
Auch er sicherte sein Team an diesem Platz, war aber nur einer der langen Liste von Mushern, die ueber die Jahre an diesem Punkt des Rennens lieber halfen als gut zu plazieren. So half auch Sebastian Schnuelle in 2007 drei Teams ueber den Steilhang.

Eagle Summit

Dieses Photo zeigt einen der fuenf Tripods, die auf Eagle Summit stehen um Mushern im Tageslicht die Navigation zu erleichtern. Sie wurden vom Yukon Quest in 2005 errichtet, nuetzen bei Schneestuermen allerdings wenig. Der lange Winter hat das dreibeinige hohe Gestell mit Eis und Schnee verkrustet.
Als Eric diesen Winter mit seinem Motorschlitten hoch zum Pass fuhr, fand er eines der Gestelle auf der Seite liegend und zum groesstem Teil mit Schnee verdeckt. Nur ein Fuss des Gestells ragte aus einer Schneewehe.
“Kannst du dir vorstellen was fuer Winde es bedarf soetwas umzukippen ?”, meinte er.
Eric will jetzt Bruchsteine an die Staender schnallen um sie vor dem Umkippen zu bewahren.
Schnee und Eis das sich auf dem Tripod abgesetzt hat ist ein Zeichen dafuer, wie schnell sich selbst gute Reflektoren, mit denen diese Staemme im Stirnlampenlicht der Musher nachts zu sehen waeren ebenfalls vereisen und unsichtbar werden.

Eagle Summit

Einige Musher kommen in Mile 101 an und sagen: “Wisst ihr, all der Mist ueber Eagle Summit, wie steil der Berg ist und wie schlimm alles ist scheint mir reichlich uebertrieben. Zugegeben, …. es ist schon ein ganz netter Huegel, aber alles andere ist weit uebertrieben.
Lasst uns alle auf gutes Wetter hoffen, denn dann ist Eagle Summit sicherlich nicht der schwierigste Teil des Rennens.

Peter Kamper ( Bilder Copyright by Eric Cosmutto )

2010 Yukon Quest Trail Blog 5

Januar 15, 2010 by  
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Als Naechsten rufe ich also Eric Cosmutto an.
Seine unermuedliche Trailarbeit und Hilfe ist weit mehr als man von einem Freiwilligen erwarten sollte. Wenn ich mit ihm rede denke ich immer daran wie viele andere Leute unerwaehnt und unermuedlich an Trails in ihrer Nachbarschaft fuer das YQ arbeiten.
Eric arbeitet fuer die US Airforce und reist um die Welt. Was er da wirklich macht weiss ich nicht. Er laesst sich darueber auch nicht aus. Ich frage nicht. “Peter, ich werde alles fertig stellen, aber es kann sein dass ich kurz vor dem Rennen den Kontinent verlassen muss.” Ich schucke einmal trocken. Die Neuigkeiten die Mike mir 15 Minuten vorher unterbreitet hatte waren eigendlich genug fuer einen Tag gewesen. “Entweder mein Partner oder ich werden eine Woche vor dem Rennen ausfliegen muessen. Wer immer der Zweite ist wird eine Woche nach dem Start des Rennens ausfliegen.”
Ein leicht sarkastisches Lachen bleibt mir in der Kehle stecken waehrend ich versuche diese Information zu verarbeiten: “Flieg als Zweiter”. Ich komme mir mit dieser Bemerkung selbst dumm vor. “Wir haben keinen Einfluss darauf, Peter. Falls es soweit kommt werde ich einen Ersatz fuer mich finden.” Ich lache mit bitterem Nachgeschmack: “Eric,… in dem Falle haettest du jemanden vor 6 Jahren trainieren muessen.” “Carsten wird nach Mile 101 kommen,” fuege ich hinzu. “Er meinte, dass er dir mit dem Trail helfen will.” Die Beiden kennen sich wie schon erwaehnt recht gut und haben viele Meilen des YQ Trails gemeinsam zurueckgelegt. “Na dann hast du ja jemanden.”
“Mike, … so gut Carsten auch ist….”. Ich vollende den Satz nicht. Wir unterhalten uns fuer weitere 30 Minuten ueber den Trail und 101. Ich kann spueren wie weh ihm die Nachricht tut.

In ein paar Tagen werden wir wohl mehr wissen.

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Obwohl wir im Augenblick nicht mehr wirklich wissen welche Leute der alten Mannschaft zurueck kommen, bin ich sehr froh, dass wir ein paar neue Crewmitglieder aufgenommen haben. Carsten Thies kann wahrscheinlich Eric Cosmutto’s Job uebernehmen und Jesse Holmes hat genuegend Erfahrung um auf die eine oder andere Weise Mike Bowman’s Praesenz auf dem Rastplatz zu ersetzen.
Beide Jungs sind wirklich gut und haben mein Vertrauen. Allerdings kann keiner von ihnen mit Mike’s und Eric’s Erfahrung mithalten wenn es zu einer brenzligen Situation kommt. Es ist wieder einmal ein Zeichen, dass wir fuer jedes langjaehriges Mitglied des Checkpoints einen Ersatz brauchen. Dies gilt auch fuer mich. So seltsam es klingen mag, …. es ist Zeit eine juengere erfahrene Crew auszubilden. Jesse Holmes wird nur der Anfang sein.
Wir werden erst am kommendem Wochenende sehen wie sich diese Geschichte entwickeln wird.

Peter Kamper

2010 Yukon Quest Trail Blog 4

Januar 12, 2010 by  
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Eric Cosmutto ist auch dieses Wochenende wieder nach Mile 101 gefahren und hat weiter am Yukon Quest Trail gearbeitet. Die Temperaturen lagen um -30 C, aber er zieht die lange Unterwaesche ja schon aus reiner Erfahrung an. Wirklich gute Motorschlittenfahrer koennen auch bei -40 C ihre Maschienen anwerfen, aber ich bin in dieser Hinsicht recht unerfahren.
Unser groesstes Problem in Mile 101 ist nun der wenige Schnee auf dem Trail. So schoen und schneereich die vorhergehenden Photos auch sein moegen wird der geringe Schneefall des Jahres auf hohen Bergkuppen oft weggeblasen. Eric faehrt den Trail als offizieller Trailbreaker jedes Wochenende ab um den Schnee auf dem Trail zu verdichten damit er nicht mehr weggeblasen werden kann. Die Wettervorhersage fuer die naechsten 5 Tage stellt auch keinen Schnee in Aussicht, …. nur fast konstante 30 C unter rein blauem Himmel.
Dies ist natuerlich die kaelteste Zeit des Jahres:
Nur 4 Stunden Sonnenlicht, ein Boden der bis auf einen Meter Tiefe die letzte Waerme des Sommers lange vergessen hat und ein Land, das seit ueber drei Monaten im Winterschlaf liegt. Wir hoffen auf mehr Schnee fuer die Hunde des YQ … und natuerlich auch fuer die Musher.
Echt !

Mike Bowman ist auch nicht mehr der Juengste. Er braucht eine Knieoperation. Da er ganz frueher mal Hundefuehrer in Vietnam war , wird ihm die Operation bezahlt: “Peter, morgen muss ich nach Anchorage fahren und spaetestens uebermorgen werde ich wissen wann sie mich operieren werden.” Ich stutze: “Du willst mir doch nicht sagen, dass du nicht nach 101 kommst?” “Naja, ich weiss nicht wann sie mich operieren wollen. Entweder geben sie mir noch mal eine Spritze und operieren mich nach dem Rennen oder ….. davor.”
“Und dann… ?”. – “Oh, ich komme. Sie haben mir gesagt, dass ich nach ein paar Tagen wieder laufen kann.”
Mit dem Telephon am Ohr schuettel ich den Kopf: “Ja Mike, … damit meinten die Aerzte den Weg vom Schlafzimmer zum Klo, aber sicherlich keinen Ma…. durch verwehten Schnee in Mile 101.” – “Ach, die Aerzte haben keine Ahnung wer ich bin…”, Mike klingt fast empoert. “Vielleicht muss ich dann eben mit meinem Motorschlitten rumfahren anstatt zu laufen.”
Typisch Mike, …. es gab wenig was ihn je aufgehalten hat.
Ich atme einmal tief durch: “Was zum Teufel ist mit deinem Knie los ?” “Falls ich einen falschen Schritt mache biegt sich das Knie nach hinten durch ,… und wenn ich es zuweit durchbiege kann ich das Knie fuer immer vergessen. Das ist zumindest die Ansicht der Aerzte, aber was die so erzaehlen ist eh….”
Ich frage nicht weiter sondern unterbreche ihn:
“Halt das Knie still, Alter. Wie waer’s wenn du den Check-in fuer die Musher in 101 machst. Ob du nun operiert wirst oder nicht,… am 7. Februar wirst du sitzen oder stehen aber sicherlich nicht rumlaufen.” Mike ist eher empoert. “Ja, …. aber….”, meint er.
In ‘normalen’ Checkpoints streiten sich Leute darum Musher offiziell begruessen zu duerfen. In vielen Faellen nehmen Checkpoint Managers diesen Job am liebsten selbst auf sich. Mike ist allerdings eher empoert ueber diese Idee.
“Aber ich muss doch das Rastgebiet auslegen.” “Richtig, und dies wirst du mit einem Motorschlitten unterm Hintern und einem Zeigefinger machen falls die Aerzte ein Messer ans Knie setzen.” Mike grummelt laut am Telefon. Er braucht keine Hilfe, meint er. In meiner Gegenantwort stimme ich ihm zu: “Natuerlich brauchst du uns nicht. Die Crew braucht dich, … und wenn du da draussen umfaellst bist du recht nutzlos.” Mike ist ein intelligenter Mann und versteht was ich meine. Obwohl nur ein grollendes “Hm..” ueber das Telefon zu hoeren ist weiss ich, dass er mir zustimmt.
Die meisten Musher im ‘Checkpoint 101′ werden sicherlich von ihm begruesst werden.

Jesse Holmes wird zumindest fuer 2010 in die Spuren von Mike Bowman treten.
Allerdings hat Jesse sich dieses Recht und die damit verbundene Herausforderung hart verdient.

Spaeter rief ich Eric Cosmutto an. Er arbeitet fuer die US Airforce.
Vieleicht haette ich dies nicht tuen sollen, denn auch er erzaehlte eine Geschichte die nicht in meine Idee des YQ 2010 passte…

Peter Kamper

2010 Yukon Quest Trail Blog 3

Januar 8, 2010 by  
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Eric Cosmutto hat nun den ersten Wintertrail von der Chena Hotsprings Road nach Mile 101 gebrochen und ein paar Photos zurueck gebracht. Der Trail des jaehrlichen Yukon Quest Rennens wird von sogenannten ‘Trailbreakers’ gelegt. Diese kennen die Trails in ihrer Gegend.
Die oft erwaehnten ‘YQ-Trailbreakers’ des Yukon Quest oder des Iditarod folgen meist nur den Trails der lokalen Trapper und Motorschlittenfahrer. Bede Rennen sind entlang des Trails immer auf Einheimische angewiesen.
Eric, der aus Northpole, einer Kleinstadt nahe on Fairbanks stammt und seit Jahren ein Teil der 101 Crew ist, hat sich allerdings bereit erklaert dieses Jahr den Trail ueber Rosebud und Boulder Summit bis hin zu Eagle Summit zu brechen.
Hier… nur um die nie erzaehlte Geschichte des Rennens zu eraehlen, ein paar Photos:

Eric Cosmutto’s Kommentar zu diesem Photo:” Dies ist der Trail, … oder zumindest die Richtung in die wir ihn legen sollten:

yukon quest 2010 Trail

Trapper und Motorschlittenfahrer arbeiten seit langem entlang des YQ-Trails zusammen um dem 1600 km Trail des Rennens zu legen.
Viele Leute entlang der Rennstrecke unterstuetzt das Rennen auf die eine oder andere Art. Manche fahren ihre Motorschlitten zu Schrott um in schlechten Jahren regelrecht einen Trail aus dem Eis des Yukon Rivers oder den umliegenden Bergen herauszupruegeln. Die Geschichte dieser Leute wird nie erzaehlt obwohl sie eigendlich zumindest genauso wichtig ist wie die der beruehmten Musher die den Trail angehen.
Ich kann nur Photos zeigen, die einen kleinen Teil des Trails abdecken.
Ob ‘Checkpoint 101′ oder ‘Checkpoint Pelly Crossing’, die wahren Mithelfer des Rennens sind ohne Zweifel schon zwei Monate vor dem Rennen auf dem 1600 km Trail unterwegs.
Hier ein schoener Blick auf das Tal des Birch Creek von Rosebud Summit bei -25C und klarem Himmel.
Eric hat die Erfahrung um den ‘ersten’ Trail des 2010 YQ ueber Boulder und Rosebud Summit zu legen.

yukon quest 2010 trail

Viele der immer unerwaehnten Traibreaker muessen an vermutlichen Gefahrenstellen oft anhalten um einen sicheren Weg fuer die Musher zu finden.
Dieses Photo wurde an Eagle Creek geschossen. Das Eis im Hintergrund ist wieder einmal unter dem Druck des Wassers gebrochen. Eric weiss, dass die Bruchstelle weiterhin Wasser an die Oberflaeche pumpen wird.
Dies nennt sich ‘Overflow’.
Obwohl es erst Dezember ist und man nur ahnen kann was der Fluss im Februar machen wird sollte der Trail vom Bach ferngehalten werden. Der Dampf im Hintergrund ist offenes Wasser, das sich bei -20 C durch das Flusseis drueckt. Eine Kreuzung des Baches ist hier eher unsinnig.

yukon quest 2010 trail

Als Fazit sollte wohl gesagt werden, dass diese drei Photos nur ein kleines Bild dessen ergeben was freiwillige Helfer schon Monate vor dem Start des YQ 2010 tuen um sicher zu stellen, dass der Trail des YQ 2010 gut gelegt worden ist.
Dann kommt allerdings das Flusseis, dann die Stuerme und der Overflow, der innerhalb von 24 Stunden ein eisiges Flusstal mit 40 cm Wasser fuellen kann.
Man weiss ja nie…..

Peter Kamper

2010 Yukon Quest Trail Blog 2

Januar 5, 2010 by  
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Noch ca. 30 Tage bis zum Rennen, …. und vielleicht Zeit mal wieder ein ‘Update’ zu schreiben:
Unsere Crew sieht inzwischen wirklich gut aus. Eric Cosmutto, unser Trailexperte wird genauso wie Mike Bowman, unser Spezialist fuer den Rastplatz sowie Kevin Abbnet unser Funker und Elektroniker werden wieder kommen. Russ Busby, ein erfahrener Musher und mehrmaliger YQ-Veterane wird mit grosser Sicherheit auch kommen. Er hatte es sich gewuenscht, das Rennen mal aus anderer Sicht zu sehen. Auch seine Erfahrung wird uns sicherlich zu Gute kommen.
Dann erhielt ich einen lang erhofften kurzen Brief von Rainer Fischer, der schon mehrere Male als ‘Marathon Koch’ in Mile 101 mitgeholfen hat und unter anderem auch bei der Helikopter-Rettungsaktion in 2006 Musher versorgte bis uns ganz am Schluss das Futter ausging. “Wann soll ich denn auftauchen”, fragte er. Rainer war ueber die Jahre der beste und unermuedlichste Koch mit dem wir je gearbeitet hatten. Wenn das Rennen in Fairbanks beginnt, wird bei uns normaler Weise fuer ca. 36 Stunden durchgehend gekocht. Eine lokale Musherin namens Goerganne Hamphton wird Rainer beisseite stehen, aber ihn zurueck zu haben ist beruhigend.
Vor drei Tagen rief mich dann auch ploetzlich noch Carsten Thies an ( http://www.carstenthies.com ), der einigen Yukon Quest fans wahrscheinlich als langjaehriger Yukon Quest Photograph und als Producer der letztjaehrig vom NDR produzierten YQ-Dokumentation ‘Im Banne des Yukon’ bekannt sein sollte. Er ist ein hervorragender Motorschlittenfahrer und hat langjaehrige Erfahrung mit dem YQ, dem Trail und auch Eagle Summit: “Wenn du Lust hast, helfe ich mit. Vielleicht kann ich Eric Cosmutto ja dabei helfen den Trail in Stand zu halten.” Ein besseres Angebot haette ich mir nicht vorstellen koennen. Damit hat Eric nicht nur einen Partner falls Dinge brenzlich werden, was wir nicht hoffen, sondern wir koennen im Notfall auch den Trail in zwei Richtungen abdecken.
Ansonsten wird auch Jesse Holmes zurueckkehren, der schon in 2009 mit uns zusammenarbeitete. Mike Bowman hatte ihn rekrutiert.
Wer das Yukon Quest Rennen jaehrlich verfolgt wird sich an 2008 erinnern koennen als der Yukon River zweimal frohr und zu einem Schlachtfeld aus Eisschollen wurde. Lance Mackey ueberholte nachts aus Versehen die Trailbreaker und folgte auf dem Eis einer Schlittenspur fuer 10 Meilen, die er fuer den YQ-Trail hielt. Als ihn die Trailbreaker einhohlten und ihm sagten, dass sie keine Ahnung hatten welchem Schlittengespann er gefolgt war, meine der Musher damals: “Wer immer das auch ist. Der Musher ist verrueckt. So einen Trail will ich nicht fahren.” Wie sich spaeter herausstellte war der Musher Jesse Holmes gewesen, der zwei Tage vor Mackey privat mit seinen Hunden den Yukon von Fairbanks aus nach Eagle nahe der Grenze zum Yukon Territory hochgemusht war um dort Freunde zu besuchen. Als wir dies aus reinem Zufall waehrend einer Plauderei in Mile 101 in 2009 erfuhren und ihm Lance’s Geschichte erzaehlten, guckte er uns verdutzt an: “Na, so schlimm war das Flusseis doch wirklich nicht.”
Jesse’s Team besteht allerdings aus gut trainierten Arbeitshunden und er musste kein Rennen fahren. “Du warst das ?” Wir haben damals schallend gelacht als wir ploetzlich die Aufloesung des ‘Raetsels um die misterioese Spur auf dem Yukon Eis’ erfuhren. Jesse guckte eher schuldig als stolz drein.
Er ist allerdings einer der Menschen hier in Alaska, die sich auch im letzten Jahrhundert in diesem Land ohne Probleme zurecht gefunden haetten. Um so besser ist es, ihn in wieder in unserer Crew zu haben.

Wenn das Rennen in Fairbanks beginnt brauchen wir immer mehr Freiwillige als wenn das Rennen in Whitehorse startet. Da wir nun ein Checkpoint mit einer vorgeschriebenen Zwangsrast von 2 Stunden fuer Musher sind, werden wir zu Zeiten bis zu 20 Teams im Checkpoint haben.
Damit wurden dieses Jahr zum groessten Teils alt-erfahrene Musher als Freiwillige eingeladen um den Rastplatz unter Kontrolle zu halten. Unser Team rundet sich mit Jan DeNapoli, einer langjaehrigen 47-jaehrigen Musherin aus Two Rivers und Mindy Juliana ab. Jan hat mehrere Male als Handler fuer YQ-Teams entlang des Trails gearbeitet und kennt fast alle Musher des Rennens.
Mindy, die schon einmal bei uns mitgeholfen hat und ein gutes Auge fuer Logistik hat wird eine kleine Landkarte an der Wand der ‘Kommunikations-Zentrale’ (einer kleinen Huette, die nur fuer offizielle Rennrichter und Tieraerzte zugaenglich ist) up-to-date halten in der alle rastenden Teams in 101 mit Standort verzeichnet sein werden.
Dies soll den Tieraerzten und Rennrichtern dabei helfen Musher schneller zu finden um alle noetigen Untersuchungen durchfuehren zu koennen.

Da ich aus Regelgruenden einen ‘Assistant Checkpoint Manager’ nennen musste, habe ich Mike Bowman dafuer ausgewaehlt, was ihn ziemlich empoerte:
“Ich will keinen Titel.” – “Mike, …. ich musste jemanden waehlen. Die Regeln verlangen dies. Tut mir Leid.” – “Falls was schief geht und jemand interviewed wird, machst du das aber, richtig ?” – “Ja, Mike, … keine Sorge.”
Nach 14 Jahren Erfahrung als Dog Drop Manager in Mile 101 und 6 Jahren entlang des Trails ist dies eigendlich auch meine Aufgabe.
Wie schon oft erwaehnt gibt es bei uns eigendlich keinen Checkpoint Manager obwohl mir der Titel zufaellt. Dieser Titel ist zwar fuer viele Checkpoints noetig, macht allerdings bei uns wenig Sinn. Die Leute die ich um Mile 101 versammelt habe sind in jeder der von ihnen gewaehlten Aufgabe weit besser als ich. Mich als ‘Manager’ aufzuspielen und zu versuchen ihnen zu erklaeren was sie alles tuen muessen, waere laecherlich.
Ich habe auch selbst einiges gelernt.
Es ist nicht leicht Mile 101 zu bemannen, aber indem ich mich nicht aufspielte und damit nicht jedem Mitglied der Crew in den Weg kam um erfahrenen Leuten als ‘Manager’ genau zu erzaehlen was sie meiner Ansicht nach zu tuen hatten, haben sich hervorragende Menschen in 101 zu einem Team verbunden.
Mehr als einer der ‘alten Garde’ von 101 hat mir ueber die Jahre gesagt: “Peter, wenn du das hier nicht leiten wuerdest, dann waere ich nicht zurueckgekommen.”
Ohne Uebertreibung ‘leite’ ich allerdings mit grosser Sicherheit die erfahrenste und am besten ausgeruesteste Checkpoint Crew des YQ.
Eines muss nochmals aufgeklaert werden:
Ich bin anscheinend vom Dogdrop Manager zum Checkpoint Manager aufgestiegen. Es ist ein Titel fuer den mir schon oft gratuliert wurde.
Ich trage wie schon oft erwaehnt diesen Titel aus einem einzigem Grund:
Musher sollten vor dem Rennen Drop Bags in Mile 101 hinterlegen koennen. Falls wir nicht zum Checkpoint geworden waeren, waere dies den Regeln nach nicht moeglich gewesen.
So hoehre ich jetzt: “Du bist doch jetzt Checkpoint Manager. Toll… Gratuliere… !!” Ich laechele dann ohne grosse Begeisterung. Die Bezeichnung ist mir eher peinlich. Mein Titel macht wirklich keinen Unterschied.
Es ist die Crew die 101 ausmacht. Ich bin es sicherlich nicht.
Wir sind einfach alle froh Drop Bags fuer Musher bereithalten zu koennen.

Im Rueckblick haben wir etwas geschaffen was der Philosophie des ersten Yukon Quest in 1984 und der Idee des eigendlichen Trails der Schlittenhunde-Brieftraeger des fruehen 20ten Jahrhunderts entlang des Yukon sehr nahe kommt: Jeder hilft entlang der Strecke. Keiner ist der Boss. Was zaehlt ist die Gastfreundschaft entlang des Trails.
Einer fuer alle, alle fuer einen, und der Erfahrungswert der Mile 101 Crew sollte jegliches Problem loesen koennen.
Auch sollte nicht vergessen werden, dass ein alterfahrener Musher nahmens John Schandelmeier, der das YQ zweimal gewann… auch zum zweiten Mal den Yukon Quest Trail auf der alaskanischen Seite legen wird.
Selbst bei schlechtem Wetter sind inzwischen die schlimmsten moeglicher Weise auftauchenden Probleme abgedeckt worden.
Es sollte also keinerlei Probleme geben obwohl diese Worte an #3 meiner persoenlichen Liste von beruehmten letzen Worten steht.

Mile 101 ist von Natur aus ein etwas unuebersichtlicher Rastplatz. Damit hatte ich Hans Oettli, den Race Marshal fuer 2010 angeschrieben und gebeten uns Rennrichter zu schicken die schon Erfahrung mit Mile 101 haben. Netter Weise antwortete er uns: “Ich werde selber kommen und als Rennrichter Thomas Tetz mitbringen.”
Herr Tetz, ein erfolgreicher YQ-Veteran und deutscher Auswanderer hat schon mehrere lange Naechte in Mile 101 als Musher und auch als Rennrichter verbracht. Hans Oettli kennt Mile 101 ebenfalls recht gut. Die Ruhe und Erfahrung die er ausstrahlt wird dem Rennen zu Gute kommen. Wir sind alle gluecklich ueber diese Wahl.
Jetzt muessen wir nur noch unsere Proviant-Liste fuer Mile 101 zusammenstellen.

Obwohl neusten Meldungen nach nur 27 Musher am YQ teilnehmen werden (man weiss ja nie), sieht die um den Sieg kaempfende Gruppe des YQ recht interessant aus.
Allerdings wird auch das YQ 300 einige Stunden nach dem eigendlichem Rennen in Fairbanks beginnen.
Das YQ 300 ist ein Qualifikatons-Rennen fuer den Iditarod und das YQ. Das 450 km Rennen, das in 2010 ueber Rosebud, Boulder und Eagle Summit fuehrt ist abgesehen vom CD300 ohne Zweifel eines der haertesten Qualifikations-Rennen fuer den ID und YQ. Dies gilt zumindest fuer die graden Jahre (2008/2010) in denen es in Alaska stattfindet.

Wir als Crew freuen uns drauf.
Junge Musher die versuchen in einem solchem Qualifikationsrennen herauszufinden was sie und ihre Hunde – das Team – handhaben koennen, sind fuer uns oft weit interessanter als Leute wie Mackey und Gatt.
Die Crew freut sich wirklich auf’s YQ 300 und die Teams des Rennens.
Dazu werde ich allerdings erst spaeter mehr schreiben.

Bis dann,
Peter

2010 Yukon Quest Trail Blog 1

Januar 5, 2010 by  
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2009 war erstaunlicher Weise das erste Jahr in dem wir vom Yukon Quest anerkannt wurden.
Zuerst wurden wir als Dogdrop wie immer missachtet, aber eine neue ‘Race Coordinatorin’ namens Josea Busby war fuer das Rennen gewaehlt worden und wollte mit mir ueber den Dogdrop reden. Na, das konnte ja spannend werden….
Da wir eh ein 101-Treffen geplant hatten wurde sie von der Crew zu einem Treffen in ‘Ivory Jacks’ eingeladen. ‘Ivory Jacks’ ist eine Bar/Restaurant im Gloldstream Valley nahe Fairbanks. Die Besitzer haben Mile 101 jaehrlich seit ueber einem Jahrzehnt mit Proviant versorgt.
Josea war die erste ‘offizielle’ Person des YQ die anscheinend dachte, dass Mile 101 wirklich etwas Hilfe brauchen koennte. Es war fuer uns recht ungewohnt, gefragt zu werden was wir in 101 brauchen. Mit wachsender Begeisterung bot sie uns Generatoren, Oefen, Ofenrohre und aehnliches an. Eigendlich hatten wir zu ihrem Erstaunen fast alles was wir brauchten.
Als sie schlussendlich anbot eine Gruppe Freiwilliger zusammenzustellen die uns abloesen koennte falls wir muede werden wurde es uns fast ungemuetlich. Eine Abloesung brauchten wir nicht. Einige von uns waren dem Angebot gegenueber sogar etwas misstrauisch. Abloesung ? In Mile 101 … ? Wie bitte Wir waehlen unsere eigene Crew.
Wir brauchten Benzin, Holzoefen um die alten Oeloefen auszuwechseln, Markierungsstoecke um den Trail zu markieren und mehr Proviant.
“Werde mal sehen was ich tuen kann”, meinte die erstaunlich junge Dame, die in einem alaskanischem Goldgraeberdorf namens Chicken aufgewachsen war. Wir waren beeindruckt, … und eigendlich gab es wenig was uns beeindrucken konnte.
Am Schluss bekamen wir fast alles wonach wir gefragt hatten, ausser natuerlich dem gefragten Proviant. Dies allerdings lag nicht an der Dame die ihr bestes getan hatte um uns zu versorgen. Wir hatten ja auch immer noch ‘Iory Jacks’.
Am Abend in Ivory Jacks brachte Mike Bowman schlussendlich eine unschuldige Frage auf, die uns spaeter retten wuerde: “Wir haben Generatoren, aber eine grosse elektrische Kaffee-Maschiene, …. so was wie Restaurants haben, das waere toll.” Er zuckte mit den Schultern und fuegte unschuldig hinzu:” Hey, … keiner von uns wird viel schlafen und fast alle Musher trinken Kaffee.”
Josea Busby notierte den Gedanken der uns schlussendlich waehrend des 2009 Rennens ueber eine lange sorgenvolle Nacht wachhalten wuerde.
Wieder einmal war es dann Eric Cosmutto, der mit seinem Motorschlitten auf Eagle Summit fuhr um die ‘verlorenen’ Musher des 2009 Rennens vor Tagesanbruch zu finden. Zum ersten Mal hatte uns das YQ allerdings Benzin fuer Motorschlitten und Generatoren geliefert.

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Ich habe 14 Jahre als ‘Dogdrop-Manager in Mile 101 verbracht.
Viele Jungs der alten Crew sind fast vergessen. Nur Kevin und ich sind uebrig.
Monte war frueher mal unser erster Motorschlittenfahrer. Keiner erwartete 1999 von uns, dass wir einen erfahrenen Motorschlittenfahrer parat zu haben. Monte war Schritt fuer Schritt genauso verlaesslich wie es heutzutage Eric Cosmutto ist, hatte allerdings damals noch nicht die extrem teuren Motorschlitten zur Hand, die uns heute zur Verfuegung stehen. Er war der erste professionelle ‘Mile 101 Trailbreaker’.
Heutzutage hat Monte drei junge Soehne und ist ‘Trucker’ auf dem Dalton Highway…, der Schotterstrasse die zu den noerdlich der Brooks Range liegenden Oelfeldern fuehrt. Es ist ein gefaehrlicher Job der viel Geld einbringt. Geld, das ein grosse Familie braucht. Eric uebernahm damals Monte’s job in 101.
Dann sollte noch Woody erwaehnt werden, der uns frueher immer zum Lachen bringen konnte und die Parkplaetze fuer Teams ausgelegt hat. Er ist heutzutage Lehrer in einem kleinem Indianerdorf am unterem Yukon und fuehlt sich dort wohl. Mike uebernahm seinen Job.
101 wurde durch viele gute Leute zu dem was es geworden ist. Die Tradition des ‘Chief of Trail’ oder des ‘Dog Lot Manager’ wurde vor ueber einem Jahrzehnt erfunden.
Nicht von mir…., sondern von Leuten die mit mir nach 101 fuhren um Mushern und ihren Hunden zu helfen.

Inzwischen haben sich ueber die Jahre ungefaehr 7 Race Marshals, 5 Haupttieraerzte und eine Menge anderer Tieraerzte und Rennrichter an ’101′ gewoehnt.
Es gab fuer mich in den letzten Jahren ausser ein paar ehrlichen Handschlaegen nicht viel zu tuen. Mike Bowman hat schon seit 5 Jahren den ‘Parkplatz’ fuer die Teams unter Kontrolle der einstmals Woody’s Stolz war.
Eric kuemmert sich um den Trail den frueher einmal Monte auf sich nahm.
Kevin ist wie immer unser ‘Computer-Geek’. Es ist eine Bezeichnung auf die der Physiker und Programmierer von der Uni in Fairbanks stolz ist. Jegliche offizielle Kommunikation mit dem Rest der Welt geht ueber ihn.
Die von mir zusammengestellte Crew imponierte mir mit dem Gefuehl meiner eigenen Ueberfluessigkeit.
Viel wichtiger ist allerdings, dass die Rennrichter und Tieraerzter mit uns vertraut sind und uns vertrauen.

Peter Kamper

2009 Yukon Quest Trail Blog 1

Februar 8, 2009 by  
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Es ist wohl wieder mal Zeit, das Trail Blog zu eroeffnen.
Ich weiss nicht mehr genau, ob es das 5. oder 6. Mal ist, dass ich den Trail als ‘YQ-Reporter… oder Videographer, oder Website Personal angehe. Ich weiss noch nicht einmal, was mein Titel wirklich ist. Ganz am Anfang schrieb ich stuendliche ‘Updates’ fuer die ‘live’ Webseite des YQ. Es hat mich immer amuesiert, dass ein Deutscher diese ersten englischen Updates schrieb. Dann kam das Photo-Projekt, fuer das sich nach dem ersten Jahr gluecklicher Weise Carsten finden liess. Ihn griff ich damals vor dem Rennstart auf und heuerte ihn …. ohne Bezahlung. Was er ueber die Jahre geleistet hat ist erstaunlich. Das Video-Project an dem ich nun fuer 4 Jahre arbeite, litt immer wieder darunter, dass eine einzelne Person keinen vernuenftigen Film vom Rennen machen kann waehrend man entlang des Trails jeden Tag ‘Clips’ schneidet und fuer die Webseite hochlaed. Es ist einfach – zumindest fuer mich – unmoeglich. Auch war es schwierig, gute Partner fuer solch ein Projekt zu finden. Immerhin werden wir nicht wirklich bezahlt. Auch Carsten steckte sein eigenes Geld Jahr fuer Jahr ins YQ Photo-Projekt.

Dieses Jahr nahm ich die Sache ernsthaft in die Hand und sprach mit dem ‘Department of Journalism’ an der Universitaet Alaska. Der Professor – so stellte sich heraus – hatte schon fuer’s Iditarod gefilmt. Er war sehr interessiert und gab mir seine besten 4 Studenten, die ich nun dieses Jahr fuer die Uni fuehren soll. Drei davon werden mit mir an der Startlinie des Rennens stehen.
Das Ziel der ganzen Sache ist ein Film ueber das Yukon Quest 2009, der von der Universitaet geschnitten werden sollte, und damit die erste Filmproduktion des YQ werden wuerde.
Ich werde dieses Team entlang des YQ Trails bis Dawson fuehren und hoffentlich Zeit haben, ein bischen an diesem Blog zu arbeiten.
Verzeiht Schreibfehler, wenn ich zu ungewohnten Stunden hier etwas einsetze. Ich stehle mir selbst die Zeit um zu schreiben. Satzstellungen werden wahrscheinlich eher schlecht aussehen, zu viele Kommas sind mein Stil und manchmal werde ich einfach auf ‘Senden’ druecken um mir ein paar Stunden noetigen Schlaf irgendwo in einer Ecke zu finden.

Habt Geduld mit mir, seht meine Berichte nicht zu eng, zitiert mich nicht zu oft und vor allem:
Habt einfach Spass beim Lesen…

Peter Kamper

Yukon Quest Trail Blog 14

Februar 25, 2008 by  
Filed under dogmushing, yukonquest

Tja,
das war’s dann wohl….
Viel zu viele Geschichten sind wie immer nicht erzaehlt worden.
Lance Mackey, der die Trailbreaker ueberhohlte und ploetzlich keinen Trail mehr hatte.
Das interessante an der Geschichte sind die Regeln des Yukon Quest, die besagen, dass das Rennen einen markierten Trail garantiert.
Die Trailbreaker waren schon lange in Central, als nach starken Winden der Renndirektoren sie zurueck ueber Eagle Summit orderte um den Trail nochmals zu checken.
Wir hatten zwei Trailbreaker in Mile 101 die dies haetten machen koennen. Dies ist aber nicht das wichtigste. Waehrend die Regeln besagen, dass das YQ einen markierten Trail garantiert, ist ausdruecklich erwaehnt, dass ein verwehter Trail auf Grund von Wetterbedingungen vorkommen kann.
Die Trailbreaker haetten also nicht zurueck geordert werden sollen. Auf Grund dieser Entscheidung verloren sie knapp einen Tag und wurden so von Mackey im Yukoneis eingehohlt. Ehrlich gesagt habe ich danach an die Goetter gebetet, dass Mackey gewinnt. Haette er um eine halb Stunde gegen Anderson verloren, waere dies auf Grund eines Vertragsbruchs zwischen Quest und Mushern (markierter Trail) passiert. Ihr koennt euch das Drama wohl vorstellen….
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Viel weiteres ist passiert:
Kyla Boivin, die als ich sie filmte ploetzlich im Schnee kniete und sich fuer 3 Minuten uebergab weil sie eine Fleischvergiftung hatte…., nur um danach auch noch eine schwere Bronchitis zu bekommen….
Der Trailbreaker Eric Cosmutto, der den Stahlrahmen seiner Maschiene waehrend eines Sturzes von einer ein Meter hohen Eisscholle brach und sich danach mit 5 km/h nach Eagle schleppen musste….
Hugh Neff, der in Dawson zu lange durchfeierte und mit einem ungeheurem Kater wieder auf den Trail ging…. “Ich glaube, die frische Luft wird mir gut tun…)
Die Nuancen des Rennens zwischen Michelle Phillips und Dave Dalton in der Dave nach 800 gemeinsamen Kilometern mit seinen ueberlegenen Hunden die letzte Rast vor dem Ziel mit Michelle einfach auslies….
Die Stunden, in denen Julie Estey mit ungeheuren Schmerzen und Traenen auf Grund einer schweren Baenderzerrung neben ihren Hunden auf dem Eis des Yukon lag und ihren automatischen Notrufsender anstarrte bevor sie sich schlussendlich von ihren Hunden nach Slaven’s schleppen liess…..
Dan Kaduce, der Slaven’s Dogdrop verlies um Stunden spaeter heulend zurueckzukehrten weil einer seiner Hunde Blut erbrochen hatte. (Der Hund ist o.k…, er hatte ein offenes Magengeschwuer und wurde sofort aus dem Rennen genommen und behandelt.)
Mein Flug nach Scroggie Creek in einer einmotorigen Maschiene. Wir verfehlten zwei Raben die aus dem Nichts erschienen bei 180 km/h mit dem Propeller um Haaresbreite
…. und so viel mehr…
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Es ist schwierig auf dem Trail solches Sachen niederzuschreiben weil wenig Zeit bleibt.
Ich muss sagen, dass es auch mir Spass gemacht hat hier teilzunehmen, also Danke an alle Leser dieses Forums, die mir Antrieb gegeben haben und natuerlich auch an Ragnar,…. nicht nur fuer dieses Forum sondern auch fuer die hervoragenden Artikel, die er taeglich auf die deutsche YQ-Site gebracht hat.

Happy Trails,
und vielleicht bis zum naechsten Mal.
Peter

Yukon Quest Trail Blog 13

Februar 20, 2008 by  
Filed under dogmushing, yukonquest

Ich sitze hier mit gerunzelter Stirn und versuche zu ueberlegen, was ich sonst gelernt habe….
Jedes Jahr lerne ich als Nichtmusher ein bischen mehr ueber Hunde, und dieses Jahr mehr als sonst.
Ich habe zum ersten Mal bewusst Musher anstatt Hunde studiert und damit die Energie zwischen diesen beiden Einheiten vielleicht ein bischen besser verstanden.
Wenn Brent Sass die Ziellinie ueberquert, werde ich sicherlich nochmals etwas dazu lernen.
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Es ist ohne Zweifel ein seltsames YQ-Jahr.
Das Eis des Yukon River dagegen hat seinen Zoll genommen weil der Trail schwierig war. Eagle Summit, …. so denke zumindest ich, …. hat seinen Zoll genommen weil Musher ihn als grosse psychologische Huerde fuer sich selbst ansahen sowie Lust und Laune bei -40 C gering waren.
Es waren meist Musher, die aufgaben. Nur ein…. vielleicht zwei Teams gaben aus Fuehrsorge fuer ihre Hunde (gerechtfertigt) auf. Ansonsten uebertrug sich dort die Laune des Mushers einfach auf’s Team. Der Leithund war nicht mehr der Musher. Man koennte dies auch eine ‘politische Revolution’ nennen in der der Musher abgewaehlt wurde.

Das Eis des Yukon, der minderwertige Trail entlang des Flusses, …. all dies sind allerdings Tatsachen die sich nicht bestreiten lassen und mich ehrlich gesagt nicht nur traurig sondern auch aergerlich stimmten.
Vieles von dem was ich in Gespraechen entlang des Trails hoerte, habe ich nicht weitergegeben. Es war ein Chorus an Beschwerden ueber den Trail und andere politische Aspekte des Rennens. Diese Dinge waren mir nicht neu….
Ich ueberlege sehr schwer darueber nach, mich dieses Fruehjahr nach 5 Jahren erneut zur Wahl als einer der 9 alaskanischen Direktoren des Rennes zu stellen, werde es allerdings nicht tuen wenn eine Basis aus Musher-Veteranen und Rennrichtern nicht das selbe tut.
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Aber…., all dies beiseite:
Heute nacht (ca. 10- 14 Uhr MEZ) werden wir den Gewinner des 2008 Yukon Quest kroenen.
Ich werde sicherlich ueber den 3. bis 7. Platz und hoffentlich weit mehr berichten.
Ragnar wird seine Haende mit der Wette (siehe ‘Tippspiel’ in der YQ-Rubrik) voll haben. Immerhin haben viele Leute sehr gut getippt.
Auf jeden Fall liegt das von allen Mushern unterzeichnete 2008 Poster bereit und ich kann es an den Gewinner versenden sobald ich kommenden Sonntag nach Hause fahre.

So,
jetzt heisst es Batterien zu laden.
Hoffentlich kommen Ken Anderson und Lance Mackey innerhalb von einer Stunde an, denn ich will auf den zweiten Platz nicht die ganze Nacht warten.

Bis spaeter,
Peter

PS:
Zitat von Hugh Neff im Checkpoint Eagle:
“Ich habe mir immer mal gewuenscht das YQ ohne die Deutschen zu rennen. Jetzt allerdings vermisse ich sie.
(Gemeint sind William Kleedehn, Gerry Willomitzer und natuerlich der Oesterreicher Hans Gatt.)

Yukon Quest Trail Blog 12

Februar 20, 2008 by  
Filed under dogmushing, yukonquest

Habe heute Lance Mackey und Ken Anderson bei ihrer Abfahrt in Braeburn gefilmt. Falls Mackey nicht als erster in Whitehorse auftaucht muss irgendetwas ganz schief laufen. Wie Sui schon sagte, sieht Mackey’s Team wesentlich besser aus.
Allerdings hat Ken Anderson gesagt, dass seine Hunde sehr gut im Endspurt sind. Ich bezweifele, dass ‘sehr gut’ gut genug ist.
Obwohl alle Augen auf die fuehrenden Musher gerichtet sind liegt das wirkliche Rennen zwischen Platz 3-5 : Brent Sass, David Dalton und Michelle Phillips.
Brent ist durch Carmacks ‘durchgestuermt’ und hat keine Rast genommen. Irgendwo muss er Rast nehmen. Es ist immer noch eine Frage ob der zuerst in Braeburn fuer die 8-stuendige Zwangspause ankommt.
Es gibt Leute, die in Braeburn scratchen (aufgeben) mussten. Es gibt auch die Geschichte eines Mushers, der unter der Takhini River Bruecke fuer 10 Stunden rastete, weil sein Team nicht weiterlaufen wollte.
Immer noch bin ich ueber Brent etwas skeptisch, obwohl seine Energie und sein Team dieses Jahr, und auch in der Zukunft, sicherlich Geschichte machen werden.
Da all dies aber wahrscheinlich Gedanken sind, die in ein paar Stunden hinfaellig sind sollte ich wohl besser mal zu Tatsachen uebergehen:
Im Augenblick sitze ich im Westmark-Hotel in Whitehorse, da wir natuerlich heute nacht den Sieger des Rennens filmen wollen. Es tut mir ein bischen Leid, dass ich Brent, David und Michelle in Braeburn verpassen werde, aber dem Sieger gebuehrt eben die Ehre. Wir werden morgen frueh sofort nach Braeburn zurueckfahren um das Rennen weiter zu decken.
Eine Dusche war unbedingt noetig. Es war erst die zweite Dusche seit Beginn des Rennens vor 10 Tagen.
Die Zeit auf dem Trail ist in meinen Gedanken ein einziges Wirrwar. Ich muss mich wirklich konzentrieren und nachrechnen, bevor ich mir sicher bin ob es Sonntag, Montag oder Dienstag ist. (Mein groesster Fehler ist, dass ich keine Uhr trage.)
Durchgearbeitete Naechte, fruehmorgendliche Ankuenfte von Mushern, lange Abende mit Erwartungen, dass das naechste Team in kuerzester Zeit auftauchen wird…., all dies ist so nahtlos mit kurzen Schlafpausen im Schlafsack in einer Ecke des jeweiligen Checkpoints so nahtlos ineinander uebergegangen, dass das Rennen weit wichtiger als der jeweilige Tag war. Die Tageszeit zaehlte sicherlich nicht.
Zur groessten Erfahrung des diesjaehrigen Rennens zaehle ich eigendlich die Tatsache, dass ich die Reporter des Rennens besser kennenlernte. Dies begann im Checkpoint Eagle, wo nur die Elite der Reporter nordischer Zeitungen und Radiostationen einflogen und abends – manchmal bis frueh morgens- zusammen sassen um ihre Geschichten zu schreiben oder ihre Radiokommentare zu verfassen.
Ich hatte keine Idee, wie hart diese Leute an ihren Geschichten arbeiten muessen. Ein in Fairbanks ansaessiger und recht bekannter Radiokommentator arbeitete bis 6 Uhr morgens an seinem Yukon Quest – Update und war zum Umfallen muede, da die Musher erst gegen 3 Uhr aufgetaucht waren und er auf sie warten musste.
Als er sein ‘Live-Telephoninterview um 7 Uhr ueber’s Telephon mit frisch-froehlicher Stimme erledigte, musste ich ihn bewundern. 5 Minuten spaeter versank er im Tiefschlaf.
Ich muss zugeben, dass ich als Amateur ein bischen stolz war mit diesen Leuten zusammen zu sitzen und erfahren zu duerfen wie sie arbeiten. Gluecklicher Weise konnte ich ein bischen aushelfen, als ich ihnen die Nachricht ueber Mackey’s Verirrung aus Scroggie Creek brachte bevor Mackey in Pelly Crossing ankam und die Zeitung in Druck ging.
Das beste waren die abendlichen Diskussionen und Vermutungen ueber die Strategien der Musher.
Viele der Reporter waren dem Rennen seit langen Jahren gefolgt und kannten viele der Musher-Strategien, die ueber die Jahre benutzt worden waren.
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Ende Teil 1

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